Vor-und Nachteile des Koreanistik Studiums in Tübingen

Die Uni in Tübingen hat einige Vorteile gegenüber den wenigen anderen Universitäten, die Koreanistik als Hauptfach anbieten: Zuerst natürlich das integrierte Auslandsstudium, welches es bei anderen Universitäten nicht gibt. Die ganze Zeit der Sprache ausgesetzt zu sein hilft einem sprachlich unglaublich viel. Außerdem lernt man Korea auch auf eine andere Art und Weise kennen, wie man es alleine durch Unterricht nicht tuen würde. Die Atmosphäre in der Koreanistik in Tübingen ist ebenfalls sehr gut. Dadurch, dass wir ein eher kleiner Studiengang sind, ist es alles sehr persönlich und die Lehrer kennen dich beim Namen (und im Fall der Sprachdozentinnen: wissen manchmal mehr über dich als dir lieb ist, aufgrund diverser Aufgaben im Unterricht). Dadurch ist alles sehr familiär und wenn man sich gut versteht, macht das Studium direkt mehr Spaß.

Aber das kann einem auch zu viel werden. Wenn man es zum Beispiel lieber hat, dass die Dozenten nicht wissen wer man ist oder man jemandem wegen eines Streites aus dem Weg gehen will, kann sich das als schwierig erweisen. Der Unterricht ist zwar sehr anspruchsvoll und man muss einiges an Zeit in das Lernen von Vokabeln und Grammatiken investieren, aber dafür bekommt man eine sehr gute Ausbildung. Und durch die koreanischen Austauschstudenten kann man schon vom ersten Semester an mit Muttersprachlern üben und von ihnen Umgangssprache lernen, die im Unterricht so nicht behandelt wird.

Man sollte sich allerdings vor Studienbeginn gut überlegen ob man wirklich den Studiengang studieren will. Die Zahl der Studenten reduziert sich aufgrund der hohen Anforderungen meistens stark.  (Mein Jahrgang hat mit etwas über 100 Studenten begonnen, nach Korea durften dann ca. 60 Studenten gehen). Auch lernt man im Unterricht eher das akademische Koreanisch und das Alltagskoreanisch muss man sich dann selbst beibringen. Das Auslandsjahr hilft dabei aber natürlich.

Bis auf das Gebäude der Koreanistik, ist Tübingen an sich eine wunderschöne Stadt mit guten Verkehrsanbindung. Und auch wenn mal kein Bus fährt ist die Stadt klein genug um zu Fuß alles gut erreichen zu können. Außerdem findet man sich sehr schnell zurecht.

Dadurch das Tübingen allerdings eine Studentenstadt ist, ist es schwer eine Wohnung zu finden und Privatwohnungen sind auch meistens teuer. Wenn man von etwas weiter weg kommt, kann man seine Familie und Freunde von zu Hause eventuell nicht so oft sehen wie man möchte. Der Unterricht findet gerade in den frühen Semestern fast täglich statt, und nur über das Wochenende nach Hause zu fahren kann teuer werden. Und dass im Unterricht Anwesenheitspflicht ist, macht alles nicht gerade einfacher.

Und zu Letzt noch der Kostenfaktor Auslandsjahr. Die Sprachkurse werden zwar bezahlt, aber da als Hauptfachstudent das Auslandsjahr obligatorisch ist und Korea nicht gerade günstig (vor allem Seoul) ist dieses trotzdem noch sehr teuer. Diesem sollte man sich bewusst sein, falls man sich dafür entscheidet, an der Uni Tübingen Koreanistik zu studieren. Aber im Endeffekt lohnt es sich wirklich.

Alles in allem hat das Koreanistik-Studium meiner Meinung nach mehr Vor- als Nachteile, und ich würde jedem empfehlen hier zu studieren. Dennoch gibt es Dinge, die man sich klar machen sollte.

 

Ps.: Zum Wintersemester 2019/20 wurde der Studiengang zulassungsbeschränkt und die Anzahl der Studenten deutlich reduziert. Deshalb werden eventuell die Anforderungen etwas gesenkt, weil die Anzahl der Studenten in einem Jahrgang nun ungefähr der Anzahl an Plätzen an den koreanischen Unis entspricht.

 

By Saskia